Worum geht’s?

Meine erste Kamera war nur geliehen. Ein freundlicher Nachbar gab sie mir, als wir zur Abschlussfahrt unserer Schulklasse nach Rom reisten. Vom Fotografieren hatte ich nicht einen Hauch von Ahnung, „aber„, sagte der Nachbar seinerzeit, „das ist nicht schlimm, Du musst einfach nur ’draufdrücken. Den Rest macht die Kamera (eine Kodak Instamatic) von allein.“ Herausgekommen ist ein schmales Album mit schwarz/weißen, teilweise unscharfen Aufnahmen von (aus heutiger Sicht) grauenhafter „Qualität“. Und doch war das der Beginn einer Leidenschaft für die Malerei mit Licht.

Das ist ein paar Jahre her. Der geliehenen Kodak Instamatik folgte die erste eigene Kamera, eine Agfa ISO-Rapid, für die es eine besondere Filmpatrone gab, die den Filmwechsel sehr einfach machte. Und ich begann, nicht mehr „einfach nur ’draufzudrücken“. Mit dieser kleinen, sehr handlichen Kamera und dem Fahrrad habe ich seinerzeit die Umgebung meiner Heimat erkundet und so Blickwinkel gefunden, die selbst im Heimatkunde-Unterricht in der Schule nie erwähnt wurden.

Begrenzt wurden diese Unternehmungen eigentlich nur durch das zur Verfügung stehende Taschengeld. Filme und vor allem die Entwicklung und die Abzüge rissen schnell Löcher in die schmale Geldbörse. Das zwang zum sorgsamen Fotografieren und schulte das Auge quasi von selbst. Noch immer freue mich an der Erinnerung, wenn dann eine belichtete Filmpatrone zum Fotofachgeschäft wanderte und ich ein paar Tage später die Abzüge in der Hand hielt.  Nicht ahnen ließ sich damals, dass diese Bilder auch mal eine Dokumentation der Veränderung von Land und Stadt werden würden.

Dann reichte das Geld für eine Spiegelreflex-Kamera. Nach langem Abwägen ging mein gesamtes Vermögen für eine Yashica FR 1 mit einem Zeiss „Normalobjektiv“ über die Ladentheke des Fachhändlers und als ich dann wenig später ein gebrauchtes Schwarz/Weiß-Labor eines Verwandten übernehmen konnte, begann eine neue Ära. Jetzt waren Bild- Gestaltungsmöglichkeiten und Bildbearbeitung in vorher nicht gekanntem Maße möglich und ich war so oft wie es irgend ging mit der Kameratasche auf dem Gepäckträger unterwegs. Auch kamen dann noch eine 28mm Weitwinkel und später ein 80-200mm Teleobjektiv dazu, mein erstes Zoom. Und sonnabends ging’s dann nachmittags  in die Dunkelkammer, mit der WDR-Bundesliga-Konferenz im Telefunken Bajazzo TS und dem Herumplanschen in Entwickler, Fixierer, Wasserbädern und mehr. Neue Interessensgebiete neben der Architektur und den Landschaftsaufnahmen kamen dazu, ich entdeckte die Faszination des Fotografierens von Menschen. Ich war bei meinen Fototouren nun auch nicht immer allein, Freunde waren mit dabei und so manches Mal hörten wir dann in der Dunkelkammer nicht der Stimme von Kurt Brumme oder Manni Breuckmann zu, weil wir uns in Diskussionen über dieses und jedes Foto verstrickten.

Neben der Schwarz/Weiß-Fotografierei erkundeten wird dann die Möglichkeiten von Farbdias, mussten Familienfeiern und Sonntags-Ausflüge ablichten, verknipsten  viele Filme auf Reisen und im Urlaub, experimentierten auf Teufel komm’ raus und lernten und lernten und lernten. Familie und Freunde mussten Dia-Abende mit Salzgebäck und Käse-Igel erdulden und es wäre vermutlich immer so weitergegangen, wenn nicht eines Tages ein erster Computer seinen Einzug in das Arbeitszimmer gehalten hätte. Dieser „Affenkasten“ beschlagnahmte schleichend, aber schnell die Zeit, die wir früher mit dem Fotografieren verbracht hatten. Jetzt verbrachten wir die Sonnabend-Nachmittage nicht mehr in der Dunkelkammer, sondern vor dem Rechner und oft genug hörten wir vor lauter Betriebssystem-Disputen nicht mehr zu, wenn Manni Breuckmann vom Heimspiel der Dortmunder Borussia berichtete.

Bis vor etwa fünfzehn Jahren ein Bekannter eine „Digital-Kamera“ mitbrachte, eine Ricoh R3 mit 5 Mega-Pixel-Chip. Zunächst als „Spielkran“ belächelt, hantierte ich ein Wochenende damit herum und hatte eine  Woche später selber eine. Zwar war die Bildqualität höchst anzweifelbar und zwischen dem Moment des Drückens auf den Auslöser und dem Auslösen der Kamera vergingen gefühlt Jahre – aber die Aufnahmen auf der Speicherkarte ließen sich auf den Computer überspielen und dort, zunächst noch sehr rudimentär, digital bearbeiten. Und plötzlich war sie wieder da diese Faszination, die uns so viele Jahre lang mit den analogen Kameras hatte fotografieren lassen. Die Begegnung mit der kleinen Ricoh war sozusagen ein unverhoffter Neustart in das Universum der Lichtmalerei.

Und jetzt? Inzwischen fotografieren ich wieder so begeistert wie früher. Der ersten „digitalen“ Knipse folgte dann eine erste digitale Spiegelreflex-Kamera, die später eine perfektere Vollformat-Nachfolgerin bekommen hat und inzwischen habe ich auch wieder drei hochklassige Objektive im Foto-Rucksack. Die Möglichkeiten der Bildbearbeitung haben sich enorm erweitert, inzwischen steht ein leistungsfähiger Mac auf dem Schreibtisch und die Möglichkeiten der Bildbearbeitung mit entsprechenden neuen Versionen von Photoshop & Co haben sich enorm erweitert. Das fordert wieder Übung, Zeit und das Aushalten misslungener Ergebisse.

Aber: Spaß am Fotografieren, die Leidenschaft für Farben, Formen,  Stimmungen und vor allem Menschen, all das ist wieder da. Und deswegen möchte ich hier einfach ein paar Aufnahmen zeigen, die zu schade sind zum Dornröschenschlaf auf dem Datenfriedhof der backup-Festplatte.  Zum Stöbern sozusagen.

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• Und das muss auch noch gesagt werden: Noch nie war das Kopieren von Bildern so einfach wie im Internet. Das Copyright aller hier gezeigten Bilder liegt bei mir. Und weil ich kein Interesse habe, Bilder von mir irgendwoanders in den Weiten des web wiederzufinden, sind alle Aufnahmen mit einem unsichtbaren digitalen Wasserzeichen versehen. Damit lässt sich ihre Spur verfolgen. Und das bleibt mir dann nicht verborgen.

Das Fotos der Agfa und allerersten Spiegelreflex-Kamera ist hier veröffentlicht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Version 1.2 Die Exa Kamera wurde von Rheinmetall hergestellt.

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