Praxis

Der Sündenfall

17022016

Der Fotorucksack war gepackt, die Speicherkarten geleert und das Stativ griffbereit: Eine Woche Ostsee-Urlaub auf dem mecklenburgischem Darss im Februar würde genügend lohnenswerte Motive bringen.
Und so war es auch, auf unseren langen Wanderungen am Wasser und durch die kleinen Badeorte wie Arenhoop, Zingst, Wustrow oder Prerow sind jede Menge Aufnahmen entstanden, die mich immer wieder begeistert haben. Und dennoch blieb der mit zwei Bodies und fünf Festbrennweiten  vollgepackte Rucksack unangetastet, ich habe ihn nicht einmal geöffnet und eine der Kameras herausgenommen.
Was war geschehen? Ich habe vor kurzem mein altertümliches Mobiltelephon, mit dem man nur telefonieren und Nachrichten versenden konnte, durch ein Smartphone mit einem angebissenem Apfel auf der den Rückseite ersetzt. Und dieses elegante Wunderding bietet nicht nur einen Zugang zum Internet, sondern auch eine eingebaute Kamera, wie sie bei diesen Geräten seit einiger Zeit ja üblich ist.
Am ersten Tag an der See war es saukalt, es wehte ein steifer, böiger Wind und es drohte immer wieder ein Regenschauer. Nun gibt es dort erfahrungsgemäß kein schlechtes Wetter, sondern nur die verkehrte Kleidung – und eine verkehrte Kamera. Unter diesen Umständen schien es nicht sinnvoll, die große Spiegelreflex mitzunehmen, geschweige denn am Ufersaum mit seinem Flugsand und Wellengischt die Objektive zu wechseln. So blieben die im Zimmer unserer Herberge. Aber das Smartphone… Ja, das Smartphone war immer dabei, wenn wir unterwegs waren. Und so habe ich es einfach mal ausprobiert, was dabei herauskommt, wenn man es als Fotoapparat nutzt.
Das Ergebnis hat mich in hohem Maße verblüfft. Zwar ist die Handhabung für einen kameragewöhnten Fotografen tatsächlich sehr gewöhnungsbedürftig, aber die entstandenen Bilder waren technisch von sehr hoher Qualität. Und so habe ich den Fotorucksack auch an den folgenden Tagen unangetastet gelassen und ausschließlich mit dem Smartphone fotografiert.
Die weitere Bildbearbeitung ist etwas anders als bei der Spiegelreflex, da das Smartphone Bilder ausschließlich im jpg-Format speichert, während ich sonst ausschließlich im RAW-Modus fotografiere. Ansonsten habe ich meine gewohnten Bildbearbeitungen in Adobe Lightroom und Photoshop gemacht.

Und das ist ein Ergebnis:

Ostsee-1

Natürlich kann das in keinster Weise bedeuten, dass das Smartphone nun etwa die Spiegelreflex ersetzen kann. Dazu sind seine Möglichkeiten gegenüber der Kamera viel zu beschränkt und es liefert auch nur bei gutem Licht auch gute Ergebnisse. Aber als Ergänzung, als “Überall-dabei” werde das Smartphone jetzt einsetzen. Zumal es sowieso immer am Mann ist.

 

David gegen Goliath

Ja, sie liegt gut in der Hand, die große Nikon digitale Spiegelreflexkamera. Und zusammen mit dem Zusatzakku-Pack und dem von mir gern verwendeten 17-55mm 1:2,8 oder dem 70-200mm 1:2,8 ist sie dann auch richtig schwer. Damit lässt sich famos arbeiten, notfalls eben mit dem Manfrotto-Einbein. Beim Blick durch den hellen Sucher lässt sich das Motiv optimal herausarbeiten und es ist jedemal ein gutes Gefühl, wenn nach dem Drücken des Auslösers der Spiegel hochklappt und die Kamera den Chip belichtet.
Wenn sie doch bloß nicht so schwer wäre. Das nämlich macht sie langsam und verhindert, dass sie „immer dabei“ ist. Denn selbst in dem Rucksack Loewe Pro Sling, der sich optimal tragen lässt, ist die aus drei Optiken (das 10-24mm 1:3,5-4,5 gehört noch dazu) und ein bisschen Zubehör bestehende Ausrüstung einfach schwer und ermüdend, vor allem, wenn man in unwegsamen und wohlmöglich noch bergigem Gelände zu Fuß unterwegs ist.
Anlässlich einer bevorstehenden Afrika-Reise habe ich lange überlegt, was von der Ausrüstung ich mitnehmen würde. Bei den zu erwartenden Bedingungen war die Mitnahme des ganzen Rucksacks ausgeschlossen. Und so habe ich mir dann eine Lumix DMC-LX5 gekauft, bei der mir vor allem das lichtstarke Objekt (1:2 bis 1:3,3) gefiel, dazu die Möglichkeit, auf Programmautomatiken zu verzichten und Blende und Zeit selbst festzulegen. Die Lumix wiegt weniger als 250 Gramm und hat etwa das Format einer Zigarettenschachtel.
Viel Zeit sie ausgiebig auszuprobieren blieb nicht, aber ich habe sie mitgenommen und dann „zur Sicherheit“ doch noch eine kleine Nikon digitale SLR mit einem leichten 18-110mm Objektiv. Die passte noch in eine kleinere Fototaschen, die sich (aus Sicherheitsbedenken) auch am Gürtel tragen ließ, wenngleich auch das die Beweglichkeit erheblich einschränkte.
Der Umstieg auf die Mini-Knipse ist gewöhnungsbedürftig. Das liegt nicht an der Bedienung, sondern am fehlenden Sucher und dem elektrischen Zoom, der sich erst mit viel Übung punktgenau einstellen lässt. Auch ist die Mitnahme eines Zweitakkus empfehlenswert, weil der bauartbedingt eher winzig ist und nicht sehr lange durchhält. Zudem lässt der Monitor in hellem Sonnenlicht keine genaue Beurteilung des eingefangenen Motivs zu.
Zwei Dinge sind bemerkenswert: Die SLR blieb meist im Hotel/in der Kabine, die Lumix war überall dabei. Und es wurden eine Menge Motive möglich, die mit der zu Hause gebliebenen „Dicken Bertha“ ungeknipst geblieben wären. Die technische Qualität der Aufnahmen mit der Lumix war geradezu erstaunlich. Die (allerdings schon sieben Jahre alte) SLR machte dagegen glanzlose, eher stumpfe und deutlich weniger detailreiche Bilder.
Die Qualität der Kompaktkamera hat die kleine SLR aufs Altenteil geschickt. Mit der „Dicklen Bertha“ kann sie sich noch nicht wirklich messen. Sie hat aber einen entscheidenden Vorteil: sie eben immer dabei. Und eröffnet damit Möglichkeiten der spontanen Fotografie, bei der die große Nikon passen muss.

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Die Sache mit dem Weißableich

Beim abendlichen Betrachten der Aufnahmen, die ich vor kurzem mit einer digitalen Spiegelreflexkamera in Kairo gemacht habe, bekam ich einen gehörigen Schreck: Alle Bilder hatten einen heftigen Blaustich. Ursache war, wie sich schnell herausstellte, der falsch eingestellte Weißabgleich, ich hatte schlicht versehentlich „Kunstlicht“ gewählt und das ist den Foto schlecht bekommen. Sie waren einfach unbrauchbar. Wie sehr deutlich zu sehen ist:

Flapsiger Kommentar meines Reisebegleiters: „Hätt’ste statt im JPG-Format in RAW geknipst, hättest Du jetzt kein Problem“.

RAW? Was ist das denn?

Was hat RAW für Vorteile und welche Nachteile sind damit verbunden??
Im Fachbuch wirt man vermutlich eine solche Antwort finden:
als RAW (englisch raw = roh) oder auch Rohdatenformat bezeichnet man ein jeweils kameraspezifisches Dateiformat bei Digicams, bei dem die Digitalcamera die Daten nach der Digitalisierung (vergleichbar Belichtung) weitgehend ohne Bearbeitung auf die Speicherkarte schreibt.
Normalerweise ist das gängige Speicherformat im Digitalcamera-Segment das Speichern in JPEG. JPEG hat den Vorteil, Bilddaten je nach vorgewählter Einstellung recht effektiv zu komprimieren (so ähnlich wie im Audiobereich mit MP3-Dateien), erlaubt somit viele Fotos auf einer Speicherkarte zu speichern und ist ein universelles Fotoformat, das von allen gängigen Fotoprogrammen und Bildbetrachtern gelesen und weiterverarbeitet werden kann. Auch die Bildprozessoren in den Digicams sind auf JPEG getrimmt und beherrschen die schnelle Umrechnung der Bildinhalte ins JPEG-Format.
RAW hingegen trägt gewissermaßen bereits im Namen, was sich dahinter verbirgt: rohe unbehandelte und nicht komprimierte Bilddaten, die so gespeichert werden, wie der Kamerachip sie liefert. Man kann sie gut mit dem klassischen Negativ vergleichen, RAW-Dateien sind digitale Negative. Sie lassen sich in einem Bildbearbeitungsprogramm des Rechners tatsächlich „entwickeln“, was in meinem Falle auch geheißen hätte: der fehlerhafte Weßabgleich hätte sich folgenlos korrigieren lassen

Aha. Und wenn das RAW-Format doch solche Vorzüge hat: Warum ist das RAW-Format dann nicht sozusagen Standard bei der digitalen Fotografie?

Ganz einfach: Leider sind hier mit vielen Vorteilen auch ebensoviele Nachteile verbunden, die man auf den ersten Blick nicht erkennt:

RAW-Vorteile gegenüber JPEG
Die Digicam speichert bei RAW die Belichtungszeit (Verschlußzeit), Blende und ISO. Alle anderen Einstellungsoptionen wie Kontrast, Weißabgleich, Farbsättigung, digitale Schärfung usw. fallen beim Fotografieren mit RAW weg, weil diese Einstellungen erst später bei der Nachbearbeitung auf dem Rechner (Konvertierung) vorgenommen werden. Damit hat der Fotograf größtmögliche Gestaltungs- und Nachbearbeitungsmöglichkeiten am digitalen Bild. Besonders in hellen und dunklen Bildbereichen enthalten RAW-Dateien viel feinere Abstufungen der Helligkeitswerte als JPEG- Bilder. JPEG hat pro Farbkanal nur 256 Helligkeitsabstufungen, RAW-Dateien bis 16.384 Helligkeitsabstufungen.
In der Praxis heißt das möglicherweise, dass feine Wolkenstrukturen am hellen Himmel und filigrane Zeichnungen im dunklen Schatten in RAW-Dateien oft noch vollständig vorhanden sind, während sie im JPEG- Format nicht mehr dargestellt werden; weißer Himmel, schwarzer Schatten.

RAW-Nachteile
Ein Hauptvorteil von RAW-Dateien ist gleichzeitig auch ein Hauptnachteil: Die unkomprimierte Speicherung erfordert viel Platz (teilw. über 20 MB pro Bild) und Rechenzeit des Bildprozessors in der Kamera (einige Modelle brauchen bis zu 20 Sekunden). Serienbildaufnahmen oder auch „nur“ schnelle Fotobereitschaft der Kamera sind deutlich herabgesetzt.
Ein weiteres Problem sind die kameraspezifischen RAW-Formate. Ist JPEG als Standard zu bezeichnen, so sind die einzelnen RAW- Formate von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich und unterscheiden sich sogar zwischen den Kameramodellen desselben Herstellers. Wer in eine neue DSLR kauft, ist oft gezwungen, mit unterschiedlichen Programmen zu arbeiten. Allerdings haben neuere Versionen von professionellen Bildbearbeitunsgprogrammen mittlerweile diverse Converter unter der Haube.
Um die RAW-Dateien auf der Kamera-Chipkarte am Rechner bearbeiten zu können, brauchst Du zum Entschlüsseln spezielle Software der Hersteller oder zusätzliche RAW-Konverter, die sich in manchen Bildbearbeitungsprogrammen einbinden lassen. Neben diesen zusätzlichen Softwareanforderungen ist auch der Rechner gefordert, mit der Berechnung der Rohdaten fertig zu werden, was auf jeden Fall satten Arbeitsspeicher (RAM) und ordentlich Rechenpower erfordert. Ebenso benötigt man eine große Festplatte, denn wo sonst 10 bis 15 JPEG-Fotos Platz finden, nistet sich nun eine einzige RAW- Datei ein. Ein weiterer Nachteil ist die vom Kamera-Bildprozessor im RAW-Format nicht durchgeführte Rauschunterdrückung. Bei JPEG greifen automatisch in der Kamera integrierte Routinen, die man nun nachträglich am Rechner mit Spezialprogrammen zeitintensiv nachholen muß.
Zur Verdeutlichung abschließend nochmal in Stichpunkten die Vor- und Nachteile auf den Kameraeinsatz bezogen:

JPEG-Foto
Das Allround-Alltagsformat fer Kamera, um schnell und komfortabel zu guten Fotos zu kommen. Schnelles Fotografieren, schnelles Abspeichern, sofortiges Betrachten am Rechner, platzsparendes Archivieren und vielfältige Möglichkeiten zur Nachbearbeitung am Rechenknecht.

RAW-Foto
Das digitale Negativ für schwierige Lichtsituationen und die Vorlage zur digitalen Nachbearbeitung am Rechner in höchster Qualität mit vielfältigsten Möglichkeiten. Das qualitativ Beste, was aus der Kamera herauszuholen ist, aber ohne Nachbearbeitung am Rechenknecht nicht (oder nur stark eingeschränkt) anzusehen. Das Format für ganz spezielle, geplante und strukturierte Fotografien. Nicht für den alltäglichen Fotoalltag zu gebrauchen, wie z.B. Urlaubsfotos, Parties, Feste und Events.

Text mit freundlicher Genehmigung von @ Ralf Krause

                                                                                                                                                                                                              http://www.die-fotoschule.com/

Und was ist nun aus der misslungenen Aufnahme geworden?

Dies hier. Möglich gemacht hat es das Programm Adobe Photoshop, mit dem sich auch bei JPG-Fotos noch allerhand „retten“ lässt. Jetzt ist das Bild keineswegs perfekt, aber das, was es sein sollte: Eine Erinnerung an einen unvergesslichen Besuch eines Ortes mit 5000jähriger Geschichte. Mein Reisebegleiter allerdings meinte: „Das Bild erinnert Dich hoffentlich daran, dass Du Kamel nie wieder den verkehrten Weißabgleich einstellst.“ In schā’a llāh ‏إن شاء ال

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